Ein Beispiel für Wohltätigkeit unserer Bürger

von Walter Nehlich

 

Urkunden aus dem frühen 19. Jahrhundert sind nun nicht gerade die ältesten Zeugnisse unserer Vergangenheit, können aber nicht desto trotz sehr schwierig zu lesen sein. Hier möchte ich ein solches von 1809 vorstellen, das zum einen dieses schwere Lesen zeigt (einige Stellen sind auch jetzt noch unklar), zum anderen jedoch über menschliche Hilfe Auskunft gibt, wie sie es immer wieder trotz vorhandener Armut gegeben  hat.

 

Genau genommen gehören noch weitere Faktoren zu diesem „Vorgang“, bei dem eine Wiese („Bend“) für die Armen vermacht wurde. Auf der einen Seite des Dokumentes ist zunächst beurkundet worden, wie hoch der Verkaufserlös für diese Wiese gewesen ist, so dass die Anspruchshöhe unstrittig gewesen war. Zudem wäre interessant, ob über die weitere Verwendung dieses Betrages etwas zu erfahren ist. Dieser Frage werde ich in den Akten der Reformierten Kirchengemeinde in Gemünd noch zu einem späteren Zeitpunkt nachgehen.

 

Es gab ursprünglich in Gemünd sowohl eine evangelisch-lutherische als auch eine evangelisch-reformierte Kirchengemeinde, und deshalb auch zwei Kirchen(gebäude). Von der evangelisch-reformierten Kirche steht vor dem Pfarrhaus heute noch ein beträchtliches Mauerstück. Die Akten werden im Archiv der heutigen  ev. Kirchengemeinde verwahrt. Der Kirchmeister ist u.a. für die Vermögenswerte der Kirchengemeinde verantwortlich.

 

Hier zunächst der Text der Urkunde, wie ich ihn lese:

 

Heute zahlte mir Herr Peter Heilger von

Haaßenfeld den von der Wtb. Hub. Kreischer in

Heimbach an sich gekauften Benden im Langen-
feld gelegen neben Jos. Heinen, im Haaßenfelder Feld                                     
mit zwanzig vier Reichstaler dreißig Stuber                                                  
welchen die Wtb. Hub. Krescher zur Tilgung einer                                              
Obligation an die hießige Reformierte Armen ver=                                                    
kauften lies, wo obigen Benden, zum Unterpfand                                                         
beigesetzt war; und ich also den Benden namens                                                                
der Reformierten Armen frei geben so daß H.

Peter Heilger damit thun kann, wie er es für                                                     

sich am dienlichsten und nützlichsten findet.

 

Gemünd am 30ten Nov. 1809

                            C/o Lud. Rotzebach (?) Kirchmeister

                                   Heinr. Rotzebach (?)   (?)

 

                                                   

Hier die Originalurkunde: